Mehr als ein halbes Leben: Rosemarie Weber

Es war 1986, als Rosemarie Weber bei einer Feierstunde der SPD in der Westfalenhalle in Dortmund Willy Brandt traf.

Von links im Bild hinter Willy Brandt: Paula Hünninghaus, Gründerin des OV Bredenscheid, Erna Wegmann und Emilie Küper

Mehr als ein halbes Leben

Ein Mädchen mit Asthma im Januar 1949 unterwegs mit dem Zug, 24 Stunden lang. Das Ziel ist der Staufenhof in Bad Reichenhall. Hier organisiert die AWO eine Kindererholung, die auch Rosemarie helfen soll. Sie fühlt sich wohl, macht mit den anderen Kindern Unsinn, verkleidet sich zu Karneval. Im Sommer 1951 kommt Rosemarie noch einmal hierher. Jetzt sind in dem Haus viele Kinder aus Berlin. Sie kommen aus bedürftigen Familien und werden hier mit allem nötigen versorgt. Das waren Rosemaries erste Erfahrungen mit der AWO.

Gemeinsam mit ihrer Mutter besuchte Rosemarie seit 1949 die Weihnachtsfeiern im Ortsverein Hattingen Bredenscheid-Stüter. Sie trug dort Gedichte vor, die sie in der Schule gelernt hatte. Seit 1952 hat der Ortsverein einen Chor. Im Alter von 19 Jahren trat Rosemarie 1956 dem Chor bei und sang dort 61 Jahre lang. Nur nach der Geburt ihrer Kinder pausierte sie kurz. Lange Zeit spielte sie auch Theater. Ein besonderes Datum für Rosemarie war der 1. Januar 1959. An diesem Tag trat sie in die AWO ein.

Gemeinsam mit ihrem Mann zog sie in das Haus der damaligen Vorsitzenden Paula Hünninghaus. Sie nahm Rosemarie oft mit und brachte ihr die Arbeit in der AWO näher. Seit Anfang der 60er Jahre gab es Seniorenfeiern und Herbstfeste im Ortsverein. Dort trat Rosemarie mit Chor und Theatergruppe auf. Allerdings war schon in den frühen 1970er Jahren wieder Schluss mit den Festen. Besonders stolz ist Rosemarie darauf, dass sie sich seit 1964 jedes Jahr 40 Jahre lang an den, von der AWO organisierten Haus- und Straßensammlungen beteiligt hat.

Rosemarie Weber

Als ihre Kinder älter wurden, stürzte Rosemarie sich mit vollem Herzen in die aktive Arbeit bei der AWO. Mitte der 70er Jahre übernahm sie die Kasse. Dadurch lernte sie die Abläufe in der AWO kennen. So war es ein schleichender Übergang, dass Rosemarie 1988 Vorsitzende wurde. Der Vorsitz war eine ganz neue Aufgabe für sie. Auf einigen Seminaren lernte Rosemarie viel über die Geschichte der AWO und hörte hier auch zum ersten Mal von Lotte Lemke. Rückblickend bezeichnet Rosemarie ihre Zeit als Vorsitzende als „schön aber anstrengend“.

Sie musste lernen, mit Verantwortung umzugehen und Aufgaben zu delegieren. Neben dem Chor und einer Tanzgruppe ab 1990 organisierte der Ortsverein regelmäßige Wanderungen und sogar mehrtägige Ausflüge. Damit war 2003 aber wieder Schluss. Das Interesse nahm ab und desto weniger Teilnehmer desto teurer wird eine Reise für den Einzelnen.

Es war 1986, als Rosemarie bei einer Feierstunde der SPD in der Westfalenhalle in Dortmund Lotte Lemke traf. Doch für ihre Freundin Paula Hünninghaus wurde dieses Erlebnis zu einem wahr gewordenen Traum. Im Rahmen der Veranstaltung reichte Willy Brandt ihr die Hand.

Heute schwärmt Rosemarie von ihrer Zeit als Vorsitzende. „Das ist nicht nur ein Geben, das ist ein Geben und Nehmen bei der AWO“, erzählt sie. Neue Bekanntschaften und neue Kontakte waren das, was bei Rosemarie ganz besonders hängen blieb. 2004 gab Rosemarie den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen ab. 2008 schied sie auch als Beisitzerin aus. Bei der AWO ist sie heute nicht mehr aktiv, jetzt nimmt sie an den Veranstaltungen des Ortsvereins nicht mehr als Organisatorin teil. Fast ihr ganzes Leben war eng mit der AWO verknüpft.

Mit Willy Brandt und Egon Krenz, 1986. Weiter im Bild: Paula Hünninghaus: Gründerin des OV Bredenscheid, Erna Wegmann und Emilie Küper
Autoren
Vanessa Filler, Westf. Hochschule Gelsenkirchen